WARUM DIESER LITERATURPREIS?
“"Frontiere-Grenzen" ist ein Literaturwettbewerb, der sich an den wendet, der alle realen und nichtrealen Gebiete erkunden will, die an Grenzen jeder Art gebunden sind. Gerade weil er beabsichtigt einfache Definitionen zu überschreiten, steht er allen Arten zeitgenössischer Erzählkunst offen.” (Art, 1 der Bestimmung).
“Der Literaturpreis Frontiere - Grenzen ist in dem Vorhaben entstanden, denjenigen die in den Provinzen Trient, Bozen und Belluno leben, die Möglichkeit zu bieten, die tiefen Impulse dieser Länder zu beschreiben und auszudrücken. Geografisch benachbarte Orte mit ähnlichen Berglandschaften, in deren Geschichte sich verschiedene Kulturen und Sprachen, wie die ladinische, venetische, italienische und deutsche, behauptet haben. Beispiel eines ethnischen Zusammenlebens, vor allem in der heutigen Welt, in einer Realität von Personen, die Kulturen mischen, die in der Verschiedenheit gleichartige physische und mentale Gebiete bewohnen oder umsiedeln, um neuen Bedürfnissen gerecht zu werden, mit immer größeren Schwierigkeiten des Zusammenlebens, sodass oft sehr große Konflikte entstehen. Frontiere- Grenzen möchte den Reichtum dieser gemischten Realität erfassen und jeden zu Wort kommen lassen.”
In der 3. Ausgabe hat der Literaturpreis seine Grenzen geöffnet und den österreichischen Teil Tirols mit einbezogen und in dieser 4. Ausgabe erweitert er sich nochmals um andere neun Provinzen des nordöstlichen Alpenraums von Verbania bis Triest und ein anderes Land Österreichs, Kärtnen.
Die Provinzen, die dieses Jahr am Literaturwettbewerb teilnehmen sind also: Trient, Bozen, Belluno, Verbania, Lecco, Como, Varese, Sondrio, Pordenone, Udine, Triest, Gorizia, Tirol und Kärnten.
Eine andere wichtige Neuigkeit: Die Erzählungen, die in dieser Ausgabe gewinnen oder ausgezeichnet werden, können vom Wettbewerb “BORDERLANDS“ von Bozen (www.borderlands.it) für einen möglichen Gebrauch als Drehbuch für einen Kurzfilm benutzt werden.
“… Die Grenze, die Linie die hindurchgeht und unterscheidet, trennt, in der Politik und in der Vorstellung, in der Materie und im Gefühl, ist sie eine Sache oder nur das Ende einer Sache? Und das Erzählen, ist es nicht auch ein Durchlaufen und ein Messen der Grenze zwischen den Dingen und ihrem Ausdruck?”
(Enrico Palandri, 2000)
“… Die Zäune, die Grenzen, können schützen. Aber sie riskieren zu trennen und uns zu trennen. Und gut, auch die Erzählung kann die Aufgabe erfüllen, uns daran zu erinnern, dass sich auch die Grenzen beugen können, die am härtesten zu entfernen sind, nämlich diejenigen, die sich in unserem Inneren befinden. Es ist die Macht der Worte, der Fantasie, der Kreativität… ”
(Carlo Martinelli, 2001)
“Die Grenze vereint, indem sie trennt… An der Grenze endet jeder von uns und wird bestimmt, nimmt seine Form an, akzeptiert sein von etwas anderem begrenzten Dasein das natürlich auch von uns begrenzt ist” (Franco Cassano).
Wir sind daran gewöhnt zu glauben, dass eine geografisch erkannte Bevölkerung, weil sie durch die gleiche Sprache vereint ist, gleiche Werte teilt, eine homogene Kultur hat. Wir vergessen so, dass jeder von uns Träger eines eigenen Wertesystems ist, in dem die Denkweisen, die Verhaltensweise, die Bräuche, der Glaube, die Ziele, die politische Angehörigkeit, das Bildungsniveau, die Erfahrungen, die Arbeit unterschiedlich sind, das alles charakterisiert unsere Identität. Eine Identität, die sich im Laufe eines Lebens formt, dem Zeitrhythmus folgend, der unser Alter zeichnet, das sich zusammen mit unserer Rolle und mit den Begegnungen, die wir machen ändert.
Wie viel ist von jedem von uns in der Gesellschaft, der wir angehören? Wie viel ist von uns ist in der Gesellschaft, der wir nicht angehören? Von was und von wem haben wir unsere Charaktere bekommen? Sind wir vielleicht die Folge ewiger Völkerwanderungen, Austausche, Veränderungen, wie die Geschichte uns sagt?
“Solange die von den anderen Völkern produzierten “homines” nur als Zwischenstadien auf dem Weg des Erreichen des “homo currens” ( westlicher Mensch, immer in Eile) angesehen werden, ist es normal, dass die Verlierer es nicht akzeptieren, denjenigen die Hand zu schütteln, die ein Spiel durchgesetzt haben, bei dem sie immer gewinnen. Von der gegenseitigen Übersetzung und auf einer Ebene der Gleichheit der verschiedenen Kulturen, könnte man hingegen eine Erweiterung des allgemeinen Kulturreichtums der Menschheit… eine Kreuzung der Freiheiten und der Beschützungen gewinnen” (Franco Cassano)
Wir denken also, dass man über das Thema Grenzen noch viel nachdenken muss. Indem wir uns fragen, was sie für uns, westliche Menschen wirklich darstellen, kann uns die Ganzheit, von der jeder Mensch Träger ist verstehen lassen und die Dynamik und Durchlässigkeit der Kultur. Anzuhalten und darüber nachzudenken kann uns auch helfen, der Paranoia entgegenzutreten, die das Fehlen definierter Grenzen zeugen kann. In das Bewusstsein der dunklen und der aggressiven Seite unserer Kultur zu kommen, kann bedeuten, endlich aus einer ethnozentristischen Stellung , die der Westen immer angenommen hat, herauszugehen und die Voraussetzung zu schaffen, dem anderen auf der anderen Seite der Grenze zu begegnen.
In dieser 4. Ausgabe möchten wir das umfangreiche Thema Grenzen genauer bestimmen, indem wir einen stimulierenden Untertitel „männlich und weiblich“ gestellt haben. Zwei grundlegende Urformen unserer Existenz, mit denen unser tägliches Leben fortlaufend rechnen muss, wo immer man auch „wohnt“ und mit wem man in eine Beziehung tritt.
„…männlich und weiblich“, sind scheinbar Objekt einer einfachen Definition anagrafischer und biologischer Art. In Wirklichkeit stellen sie einen psychologischen Prozess dar, der nie endet und der das ganze Leben lang dauern kann. Die Entgegenstellung von männlich und weiblich hat seit immer unsere Gedanken beherrscht und hat Erinnerungen anderer grundlegender Entgegenstellungen auf sich geladen, wie die zwischen Vernunft und Leidenschaft und zwischen Öffentlichkeit und Privatsphäre (Simona Argentieri) Das weibliche wurde seit jeher an die Natur, an das Gefühlsleben und an das Beziehungsvermögen gebunden, während das männliche an die Geschichte, an die Sprache und an die Macht gebunden wurde.
Stellt das Verschwinden der traditionellen Konzepte von männlich und weiblich in den letzten Jahrzehnten einen Verlust dar oder ist es nur eine Eroberung von neuen Möglichkeiten für die Vorstellung und das Leben?
Über männlich und weiblich zwischen Nostalgie und Verwandlung nachzudenken, bedeutet auch, diesen Verwandlungsprozess nicht nur in den wirklichen Dynamiken des Einzelnen und des Paares zu erfassen, sondern auch in allen möglichen Bedeutungen zwei komplementärer, bezaubernder Welten mit Grenzen, die vielleicht auch nur scheinbar unüberschreitbar sind.
Die Veranstalter
Dezember 2006
INFO:
www.frontiere-grenzen.com
info@frontiere-grenzen.com
Bibliothek der eigenen Gemeinde
Bibliothek Canal San Bovo
tel. +39 0439 719990
sanbovo@biblio.infotn.it
Bibliothek Fiera di Primiero
tel. +39 0439 762344
primiero@biblio.infotn.it
Südtiroler Autorenvereinigung
peter.oberdoerfer@dnet.it
Ass. “La Bottega dell'Arte”
www.labottegadellarte.eu
tel. +39 0439 64340
tel. +39 0439 64001
